PfleidRecording

Tipps, Tricks und "Kochrezepte" für den guten Ton

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d_fux
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PfleidRecording

Beitragvon d_fux » 01.02.2010, 14:02

Großer Artikel im akt. Studio-Magazin. Hat jemand das mal gehört?
Endlich "authentische" Aufnahmen, die "über Lautsprecher klingen wie im Saal"... :roll: Drei breit über die Orchesterfront verteilte, nach unten baumelnde Nieren (NT5 bzw. Beyer 530). Soll die Sensation sein... Jedenfalls hat Fritz Fey nach Anhören einer Aufnahme die Entwickler der Methode kontaktiert.
Das versprochene Tonbeispiel auf der Webseite des Studio-Magazins gibt's leider noch nicht. Weiteres auch unter http://www.pfleid.de/

D.

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JP
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Beitragvon JP » 01.02.2010, 14:18

Nicht das ich dir jetzt mit praktischer Erfahrung aufwarten könnte, aber es gab vor einiger Zeit dazu schon mal einen Artikel in der PAM, gefolgt von einem überzeugend vernichtenden Leserbrief von Holger Siedler...
Für größere Ensembles empfiehlt Herr Pfleid übrigens dann 5 Mikrofone in ähnlicher Position. Alles ohne einmal auf die Aufstellung/Besetzung des Orchesters einzugehen... Zieht nämlich alles Phasenfehler nach sich, und zerstört somit das (Zitat:)"Original-Musikereignis"

Und weiter:
"Phasen u.- Zeitfehler sind Fehler. Genau sie sind der Grund für den Qualitätsunterschied zw. der LS-Wiedergabe und dem O-Musikereignis(...). Alle Produkte, die mit solchen Fehlern arbeiten, sind individuelle Produkte(...), die nach deren Geschmack angefertigt wurden und nicht mehr dem O-Musikereignis entsprechen"

Also, eigentlich was für Max...:wink:

DeccaTree soll seiner Aussage nach damit gar nichts zu tun haben, und klangtechnisch das genaue Gegenteil bewirken...

Bei Interesse können wir ja einen Artikeltausch verabreden... (ist das eigentlich moralisch vertretbar?)

Gruß
Jan
Zuletzt geändert von JP am 01.02.2010, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.

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d_fux
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Beitragvon d_fux » 01.02.2010, 14:29

JP hat geschrieben:Bei Interesse können wir ja einen Artikeltausch verabreden...
Können wir machen...
(ist das eigentlich moralisch vertretbar?)

Wir müssen's ja niemandem erzählen.. 8-)

Jetzt bin ich erstmal auf Tonbeispiele gespannt. Keine Lust, € 20,- für die CD auszugeben...

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JP
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Beitragvon JP » 01.02.2010, 14:38

Hab gerade nochmal meinen Beitrag ergänzt...

Also, du oder ich zuerst?
Ich schick dir mal ne PM mit Kontaktdaten, vielleicht schaff ich es noch heute...
Halt uns wegen der Tonbeispiele auf dem Laufenden...

Gruß

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Beitragvon Tonzauber » 01.02.2010, 15:08

Tonbeispiele gibt es auf der Seite des Herrn Erfinders:

http://www.pfleid.de/klassik_bottom.html

Was daran jetzt allerdings revolutionär ist, weiss ich nicht - die Aufnahme klingt genau so unausgeglichen, wie man sie bei der Mikrofonanordnung erwarten würde ;). Decca hats Jahrzehnte vorgemacht dass so ein System prinzipiell funktioniert wenn man es richtig einsetzt, was hier allerdings nicht der Fall zu sein scheint: Mir gefällt hier der Klang nicht besonders, vor allem der der Streicher - zu direkt im Vergleich zum Rest und nicht "rund".
Wenn ich jetzt bösartig bin könnt ich sagen: Ersetzt man die Nieren durch Kugeln und richtet sie richt aus, wird alles gut ;)
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Beitragvon RainerG » 01.02.2010, 15:26

Tonzauber hat geschrieben:Was daran jetzt allerdings revolutionär ist, weiss ich nicht - die Aufnahme klingt genau so unausgeglichen, wie man sie bei der Mikrofonanordnung erwarten würde ;). Decca hats Jahrzehnte vorgemacht dass so ein System prinzipiell funktioniert wenn man es richtig einsetzt.


Georg, Du kennst doch sicher auch das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" !?


Grüße
Rainer

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Beitragvon JP » 01.02.2010, 15:32

Oh, Tonzauber... die nicht vorhandenen Phasenfehler sind doch nur hörbar durch seine Lautsprecher... :wink:
Deine sind doch gar nicht kompatibel...

Schön, ich höre 3 (?) unzusammenhängende Mikrofonsignale mit etwas unterbelichteter Mitte. Ich hab sogar den Eindruck von "Phasigkeit" L und R. Irgendwie unangenehm... Oder liegts an meiner Abhöre?
Für mich klingts irgendwie flach, mir fehlt die Tiefe. Alles wie an einer Perlenkette aufgereiht...
Wirklich wie im Konzertsaal...

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Beitragvon Tonzauber » 01.02.2010, 15:40

Ich muss ja ehrlicher weise sagen, ich hab nur kurz über Kopfhörer reingehört, da ich derzeit weit weit weg von meinem Studio bin.
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Beitragvon JP » 01.02.2010, 15:47

Ok. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn hier der ein o. andere Erfahrene, meinen Höreindruck verifizieren kann...

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Beitragvon d_fux » 01.02.2010, 15:53

Also, schööön klingt das nicht... Insb. der Schostakowitsch. Bei aller Liebe zu Beyer, aber das 530 ist hier wohl doch etwas überfordert, die wirken zischelig. Und die Aufnahme rauscht stark.

Etwas verwundert mich, daß die simple Links-Mitte-Rechts-Lokalisation hier für "Präzision der Instrumentenpositionen" gehalten wird.
Insb. bei Schostakowitsch finde ich die Mitte alles andere als unterbelichtet, im Gegentum...

Schostakowitsch 1 hab ich auch gerade für ein Amateurorchester aufgenommen (mit 6 Mikros), der Vergleich beruhigt mich (ganz unbescheiden) ungemein, ich muss meine Mikrofonsammlung doch noch nicht wegwerfen...
Zuletzt geändert von d_fux am 01.02.2010, 21:47, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon JP » 01.02.2010, 16:17

d_fux hat geschrieben:Insb. bei Schostakowitsch finde ich die Mitte alles andere als unterbelichtet, im Gegentum...


Ich hatte erstmal nur in Georges Bizet: Arlesienne, Suite 1 (1/1) reingehört. Finde ich auch beim zweiten hören sehr unangenehm.
Bei Schostakowitsch Sinfonie Nr1, erster Satz ist es nicht so, stimmt...

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ebs
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Aufnahmetechnik Pfleidrecording - Pfleid-Lautsprecher

Beitragvon ebs » 01.02.2010, 20:15

Peter M. Pfleiderer, Erfinder und Hersteller von Lautsprechern der Fa. Pfleid Wohnraumakustik GmbH, München stellte 1990 Fehler bei der derzeitigen Aufnahmetechnik fest und erklärte, dass 95 % der Klassikaufnahmen nicht so sind, wie sie sein könnten. Siehe hierzu auch seinen Vortrag auf der 17. Tonmeistertagung 1992: "Eine Anleitung zum qualifizierten Beurteilen von Lautsprechern".
http://peter-pfleiderer.privat.t-online.de/lit_bottom.html#Eine_Anleitung_zum_qualifizierten_Beurteilen_von_Lautsprechern

Etwas über das Thema "Aufnahmetechnik Pfleidrecording" zu hören, war der Wunsch der damaligen Tonmeister-Studenten (1994) an mich. Hier folgt meine Zusammenfassung der Aussagen von Herrn Pfleiderer aus seinem Buch und seinem VDT-Vortrag, die ich gerade eben ins Netz gestellt habe, weil ich diese Sache - die mir ziemlich gegen den Strich läuft - eher nicht erwähnenswert fand.

"Aufnahmetechnik 'Pfleidrecording' - 'Pfleid'-Lautsprecher":
http://www.sengpielaudio.com/AufnahmetechnikPfleidrecording.pdf

Fazit der Meinung von P. Pfleiderer: Es ist gar nicht möglich, die Original-Akustik eines Aufnahmeraums zu erfassen und mit Hilfe von Lautsprechern wiederzugeben, ohne dabei schwerwiegende Qualitätsverluste in Kauf zu nehmen. Dass die Tonmeister dieses trotzdem so lange versucht haben und sogar heute noch versuchen, dürfte wohl an ihrer Idiologie liegen, wonach dieses möglich sein müsste. Idiologien verkennen die Wirklichkeit. Doch dauert es oft sehr lange, bis idiologisch geprägte Auffassungen überwunden sind. Sie verschwinden auch nicht von selbst, sondern müssen erst von neuen Erkenntnissen widerlegt werden. Daher muss man den Tonmeistern, die heute noch eine falsche Aufnahmetechnik praktizieren, die neue Lösung so nahe bringen, dass sie auch bereit sind, sie einzusetzen.

Seit 20 Jahren hat er das ohne Erfolg versucht. Warum wohl?

Viele Grüße ebs
Zuletzt geändert von ebs am 01.02.2010, 20:48, insgesamt 2-mal geändert.
ebs - Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com

Tobias
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Beitragvon Tobias » 01.02.2010, 20:22

Ich höre gerade die Schostakowitsch-Aufnahme und bemerke als erstes ein großes "Loch" etwa bei 10 Uhr.
Im Keller müßten noch irgendwo 2 alte Breitband-Lautsprecher rumstehen. Womöglich klingt es damit besser?

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Beitragvon GerhardS » 01.02.2010, 21:43

Irgenwann in den 70er Jahren hatten wir mal mit LS Breitbandchassis von "Lowther" in Transmissionlines experimentiert.

War unglaublich bassstark und hörte sich im Vergleich (meine Hörreferenz war damals die O86 von K+H) sehr sehr gut an.

Alter Wein in neuen Schläuchen?
LG
Gerhard

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Alter Wein in neuen Schläuchen?

Beitragvon Musikmeister » 01.02.2010, 22:37

GerhardS hat geschrieben:Alter Wein in neuen Schläuchen?

Das ist wie in der Politik. Nach einer gewissen Zeit Pause taucht Phönix aus der Asche auf. Das Volk hat alles was vorher war vergessen.

Jetzt steigt wieder einmal Peter M. Pfleiderer nach oben. 1992 hat er auf der Tonmeistertagung in Karlsruhe einen ärgerlichen Vortrag gehalten und alle Tontechniker für dumm erklärt. Wenn Tonaufnahmen auf seinen Lautsprechern nicht klingen, dann sind niemals seine Lautsprecher Schuld. Das sind eindeutig die falsch gemachten Aufnahmen.
Er hat auch erklärt, wie man richtige Aufnahmen machen muss, ohne Raum aber mit dichter Mikrofonmatrix. Die Zuhörer haben nur gelacht. Es war ihm aber ernst. Ebs hat schon im Fazit geschrieben, wie "Pfleid" sich mit seinen Aussagen verstiegen hat. Und nun geht das schon wieder los.

Alter Wein in neuen Schläuchen? Nein, das ist alter Wein in zwanzig Jahre alten Schläuchen.

Seine abstrusen Gedanken sind schon seit etwa 1990 in seinem Buch bekannt:
http://www.amazon.de/Punkt-gebracht-Wie ... 3790505714
So etwas ist doch nicht ernstzunehmen.

Was haltet Ihr denn davon? PfleidRecording und Pfleid-Marot-Mixing:
http://www.hifi-forum.de/viewthread-33-11232.html

Wörtliche Aussage von Pfleiderer: Wenn Kompressoren heute im Zeitalter der digitalen Aufzeichnungstechnik immer noch benutzt werden, liegt dieses an geschmacklich begründeten Eingriffen der Tonmeister ins Klangmaterial. Für solche Eingriffe, sowie das Ergebnis derartiger Klangbearbeitungen mit Hilfe der Filterschaltungen von Equalizern und die daraus entstehenden Phasenfehler sind allein die Tonmeister verantwortlich. Diese Fehler können nun nicht mehr den technischen Übertragungssystemen angelastet werden. Mittlerweile ist die Frage nicht mehr von der Hand zu weisen, ob nicht die Tonmeister zum schwächsten Glied der Tonübertragungskette werden können, sofern sie es bei Aufnahmen klassischer Musik nicht schon sind.

Die Meinung ist doch nicht zum Aushalten.


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