Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

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RainerG
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Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon RainerG » 21.08.2017, 18:12

Hallo Kollegen,

Ich weiß nicht wie es Euch geht:

Wenn ich irgend ein Gerät aus dem professionellen Bereich nehme - innerhalb kürzester Zeit habe ich das Ding in den wichtigsten Funktionen im Griff. Sei es ein neuer Spektrumanalysator von Rohde&Schwarz für 60 GHz, sei es ein neues Modell einer digitalen Nagra oder ein neues Digitalmischpult: In wenigen Minuten habe ich mir die wichtigsten Funktionen erspielt - auch ohne Bedienanleitung. Als ich mir in den 90-ern mein erstes SADiE kaufte, konnte ich nach einer halben Stunde die erste Produktion damit bearbeiten. Die NAGRA V hatte ich mir ebenfalls in wenigen Minuten "erspielt". Und als ich an der Hochschule mit Geräten von R&S arbeiten mußte die ich vorher noch nie gesehen hatte - sowohl solche aus dem HF- als auch solche aus dem NF-Bereich - war das für mich auch kein Problem.

Wenn ich aber sehe, wie umständlich ganz normale Konsumergeräte zu bedienen sind (neuer Fernseher, Autoradio im neuen Auto, CD/DVD-Player mit Fernbedienung oder was auch immer) das graust es einem!!! Man braucht dazu schon fast mehrere Doktorgrade um die Bedienanleitungen zu verstehen.... geschweige, daß man sich die Kisten erspielen kann und dazu noch in wenigen Minuten... Ein Horrortrip !!!. Meine Frau und ich waren diese Tage ein paar Tage im Schwarzwald und hörten auf dem Autoradio den SWR wegen der Verkehrsnachrichten. Gestern zu Hause angekommen, wollte ich heute wieder den HR auf eine bestimmte Programmtaste legen - ich habe es nach einer halben Stunde vergeblichen Probierens aufgegeben! Man wird dabei des Wahnsinns knusprige Beute!

Ist man als Fachmann zu sehr befangen oder wirklich zu blöd oder sind Konsumergeräte wirklich etwas für Masochisten??

Wie geht es Euch dabei?

Grüße
RainerG
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analog
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon analog » 21.08.2017, 20:28

Ganz genauso. Wie die meisten hier hätte ich kein Problem damit ein Tonstudio einzurichten, zu verkabeln und nach einem Test funktionsbereit zu übergeben. Die Bedienung meines Hifi-Videorekorders aus den 90er Jahren habe ich bis heute nicht verstanden. Im Studio-Magazin habe ich vor längerer Zeit mal gelesen, dass das ganz normal bei Tonschaffenden sei.

Mit besten Grüßen

Joachim

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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon juppy » 22.08.2017, 01:57

Ähnliches gerade mit Software für Videoschnitt/-editing erlebt:

Ich habe ein kurzes Videofilmchen mit zwei Kameras gedreht und
wollte das zusammen schneiden. Da dies der erste Versuch auf
dem Gebiet ist, habe ich mir diverse Programme angeschaut, die
als "freeware" erhältlich sind.

Doch wirklich zurecht gekommen bin ich erst mit SONY VEGAS
(uneingeschränkte Version für dreißig Tage),
das im Gegensatz zu den Programmen "für lau" auch stabil und
beim Export des fertigen Films diesen ohne unerklärliche Arte-
fakte speichert.

Sollte ich künftig häufiger Filme schneiden wollen, werde ich
wohl direkt zu einem Produkt der Klasse 400 € + greifen ...
Zuletzt geändert von juppy am 22.08.2017, 10:13, insgesamt 2-mal geändert.

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Wolfus
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon Wolfus » 22.08.2017, 09:51

Ein Aha-Erlebnis hatte ich, nachdem ich für eine Firma eine Hardware entwickelt hatte. Das Ganze wurde an einen externen Spezialisten zum Optimieren gegeben. Die sah so aus: Eingabeknöpfe in der Zahl dritteln, doppelt und dreifach belegen, unterschiedliche Bedeutung langer und kurzer Betätigung und der gleichen mehr. Begründung: das macht man heute immer so, um ein paar Cent für die Knöpfe etc. pro Gerät zu sparen. Die Featureliste bleibt gleich, der Kunde verzweifelt erst, wenn er von den ersten Schritten weiter kommen will, und dann hat er längst bezahlt. Das scheint bei Consumergeräten heute immer so gemacht zu werden.

Ach ja, und die Bedienung ist so ausgerichtet, dass das Programm intern logisch wirkt, nicht so, dass die Bedienung logisch ist. Der Unterschied ist oft riesig. Gerade bei denen, die nicht stupide nach Anleitung sondern systematisch nach der Logik arbeiten, kann das wieder und wieder in den Wahnsinn treiben. :aargh:
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon sleepytomcat » 22.08.2017, 10:43

Es gab vor einiger Zeit einmal im Fernsehen im Rahmen einer Sendung zu Heimgeräten einen Test, zu dem führende Manager bekannter Firmen eingeladen und gebeten wurden, ihre eigenen Produkte einsatzfähig zu konfigurieren. Die Gebrauchsanweisungen durften eingesehen werden.

Die meisten gaben nach kurzer Zeit verzweifelt auf. Honi seit qui mal y pense.

Ich denke Heimgeräte sind nicht dazu da verstanden zu werden, sondern zum kaufen und anschließendem protzen anderen gegenüber, was die Gurke alles kann. Dabei sind außerdem Geräte, die weniges anständig können und deren Handhabung sich schnell erschließt meist teurer als Kisten, die mit sinnlosen Kindereien gefüllt sind.
Der Kater

Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon RainerG » 22.08.2017, 11:54

Ich möchte nicht wissen, wieviele Bedienanleitungen vom Entwickler selbst geschrieben wurden...
Bedienanleitungen müssen von einer neutralen Person verfaßt werden.

Zu unseren Studenten habe ich hinsichtlich ihrer Laborberichte immer gesagt: "Der Bericht ist dann gut verfaßt, wenn die Putzfrau (nix gegen diese Person!) anhand des Berichts in der Lage ist, den Versuchsaufbau funktionsfähig aufzubauen!".

Mich würde mal interessieren - siehe Wolfus' Posting - ob diese "externen Optimierer" (die man dann in Anlehnung an meinen Thread-Titel eher als "Sadisten" bezeichnen kann) nach einem halben Jahr selbst noch in der Lage sind, ihre Produkte und Onanierstäbchen (=Fernbedienungen) noch auf Anhieb zu bedienen. Gerade diese Fernbedienungen für Fernseher, CD-Player, Set-Top-Boxen sind derart antiintuitiv angelegt, daß es unmöglich ist, sie auf Anhieb richtig zu bedienen. Die Fernbedienung unseres neuen Fernsehers könnte ich jedes Mal kurz und klein hauen, wenn vorher meine Frau einen Radiosender auf dem Fernseher eingestellt hatte.

MfG
RainerG
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon aseptisch » 05.09.2017, 13:45

Ich denke, man kann nicht ohne Weiteres "damals" mit "heute" vergleichen, wo der Funktionsumfang digitaler Geräte exponentiell gestiegen ist. Die früheren Fernseher mit 3 Programmknöpfen am Gerät und die Radios ohne Stationsknöpfe waren zweifellos intuitiv bedienbar, und Geräte, bei denen man für jede wesentliche Funktion einen Knopf dranbauen konnte, waren es soweit auch noch. Aber heute wäre die Fernbedienung eines Fernsehers dann ja einige Quadratmeter groß.

Als Gründe, weshalb ich mit Geräten schlecht klarkomme oder man allgemein mit Geräten schlecht klarkommt, vermute ich:

Die Bedienung wird von den Entwicklern gemacht. Aus meinem beruflichen Umfeld :roll: weiß ich, dass das fast immer eine schlechte Idee ist. Entweder, weil Entwickler mit der Schnittstelle zum Menschen keine Erfahrung haben und ungeschickt einfach einen Knopf nach dem anderen anordnen, so wie das Produkt auch wächst, ohne den Mut, mal einen Schnitt zu machen und alles neu aufzuziehen, weil neue Features sich nicht mehr logisch in das Bedienkonzept integrieren lassen (wir nennen das einen "Balkon", ein Feature wird irgendwo, wo noch Platz ist, einfach drangebaut), oder aber, Entwickler denken zu streng logisch. Das heißt, dass alles hierarchisch herunterzubrechen sein muss. Das kann dann viel komplizierter werden, als normale Benutzer denken. Dass das Kategorisieren und Ordnen von Zusammenhängen in der Art von Datenbankstrukturen in meinem Kopf anders funktioniert als bei "normalen" Menschen, merke ich täglich in Gesprächen mit solchen Menschen. Ob die Sache also nun so oder so liegt, die Bedienung ist für den normalen Anwender unangemessen und unverständlich.

Der Anspruch der Universalität kann dort auch mit reinspielen. Bank-Terminals oder Park-Automaten trifft man mittlerweile in identischer Form in vielen Ländern an. Das Ding kann wahrscheinlich ALLES, es wird nur mit einer Konfigurationsdatei in das Land und die Sprache und die gewünschten Features angepasst. Das führt zu einer schlechten und langsamen Bedienung. Die früheren Terminals meiner Sparkasse waren sehr schnell, führten logisch und mit Minimalzahl von Klicks durch die Dialoge. Heute sind die langsamer geworden. Genauso wie die Park-Automaten. Seit einem Jahr werden bei uns die Dinger langsam ausgetauscht, durch ähnlich aussehende Geräte, aber mit Folientastaturknöpfen. Wenn man auf den gelben Taster für "kostenloses Ticket bis 30 min." klickt, dauert es über eine Sekunde, bis das Display reagiert. Die alten Dinger konnten das in etwa 200 ms. Fernbedienungen von Consumer-Produkten sind sicherlich auch ein klassischer Fall, dass man ein Universalkonzept macht, das durch Weglassungen für jedes Gerät leicht angepasst werden kann.

Nutzer haben völlig unterschiedliche Vorbildung. Wer ständig Apple-Produkte mit Wisch-Displays bedient, ist vollkommen anders eingewöhnt als jemand, der täglich CNC-Fräsen programmiert. Die Bedienung geht vollkommen anders. Ein Versuch, meinem Vater (der früher Feinwerktechnik studiert hat) ein iPad schmackhaft zu machen, scheiterte im Ansatz. Er wolle nicht das iPad zum Mittelpunkt seines Lebens machen, damit er sich an die nicht intuitiven Bedienkonzepte gewöhnt. Daraufhin habe ich meinem Freund, der gegen meinen Vater argumentierte, die Bedienung für iOS für sein iPhone ausgedruckt und binden lassen. Etwa 250 Seiten, in ganz wunderbarem, verständlichem und knappem Deutsch geschrieben. Mustergültig. In dem Kapitel über Texteingabe war klar zu lesen, wie man die Tastatur in zwei Teile (links und rechts) teilen kann usw. Andererseits hört man junge Leute, die dieses Feature nach Jahren zufällig entdeckt haben und sich gegenseitig als total cool zeigen. Wenn man meinen Vater beobachtete, musste man gestehen: Rein gar nichts war an dem iPad intuitiv. Und es stellt auch viele Fragen, die mein Vater nicht beantworten kann.

Sparzwänge führen wohl auch oft zu erbärmlicher Bedienung. Mein Freund arbeitet bei einem Händler für Haushalts- und Gewerbegeräte eines großen deutschen Familienunternehmens im Hochpreissegment. Die Bedienung aller Geräte zurück bis 20 Jahre vor seiner Geburt hat er von Kindheit an inhaliert. Vor ca. 10 Jahren gab es beispielsweise ein Gerät, das unter dem Matrix-Display drei Tasten hatte: hoch/runter/ok. Die nächste Gerätegeneration hatte nur noch runter/ok. Man muss also im Kreis klicken, bis man wieder vorne ankommt. "Was für ein Scheiß!" meinte er. Sein Chef: Wenn ein Taster 10 Cent kostet und 1 Million Geräte davon verkauft werden, hat man auch 100.000 Euro gespart. Schöner Scheiß. Allerdings gibt es noch "Classic"-Geräte, die auch ältere Menschen gut bedienen können. Eine separate Skala für Waschtemperatur, eine für Schleudertouren und sowas. Wenn ich mich manchmal umhöre, scheint die Hälfte der Menschheit sowieso alles auf demselben Programm zu waschen. Immer Feinwäsche 30° oder sowas. (Damit auch mal die Bakterien sterben, sollte man gelegentlich mal (notfalls mit leerer Maschine) eine Kochwäsche machen, da auch die Programme für Buntwäsche 60° wegen des Energielabels nur noch mit realen 47°waschen. Sie heizen auch nur bei Programmbeginn auf 47° und heizen nicht mehr nach. Das nur als Tipp.)

Beim "schönen Scheiß" sind wir bei den Designern. Letztlich haben sie oft das Sagen, denke ich. Das Produkt soll schön aussehen, deshalb wird es gekauft. Die Bedienung hat sich unterzuordnen. Wenn sie komplizierter als vorher ist, kann man das ja als innovatives Feature verkaufen. Ein total neues Konzept! "Form follows function" ist doch bei Consumer-Geräten out, oder? Kaum ein Neuwagen wird wegen der technischen Daten gewählt und gekauft, sondern wegen der Optik, Haptik, des Scheins. Nur die Forumsmitglieder hier sind davon natürlich ausgenommen. Schuld ist also auch nicht selten letztlich der Käufer. Antwort einer Kundin, die alle Haushaltsgeräte der höchsten Preisklasse untereinander hat vernetzen lassen, auf die Frage, ob sie damit zufrieden ist: "Naja, geht so. Nun stehe ich im Supermarkt an der Kassenschlange, und mein Smartphone sagt mir, dass jetzt die BHs trocken sind. Und mein Mann weiß bei der Arbeit, wenn ich seine Jeans wasche."

Und natürlich gibt es noch Geräte, bei denen derjenige, der die Bedienung gestaltet, die Funktionen, die bedient werden sollen, gar nicht verstanden hat. Auch in Zusammenhang mit Übersetzungen in andere Sprachen

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RainerG
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon RainerG » 05.09.2017, 21:18

aseptisch hat geschrieben:
Als Gründe, weshalb ich mit Geräten schlecht klarkomme oder man allgemein mit Geräten schlecht klarkommt, vermute ich:

Die Bedienung wird von den Entwicklern gemacht. Aus meinem beruflichen Umfeld :roll: weiß ich, dass das fast immer eine schlechte Idee ist. Entweder, weil Entwickler mit der Schnittstelle zum Menschen keine Erfahrung haben...
... Dass das Kategorisieren und Ordnen von Zusammenhängen in der Art von Datenbankstrukturen in meinem Kopf anders funktioniert als bei "normalen" Menschen, merke ich täglich in Gesprächen mit solchen Menschen.


Da gebe ich Dir voll Recht. Aus meiner eigenen Entwickler- und Projektierererfahrung weiß ich, wie schlampig man als Entwickler mitunter arbeitet: Wenn ich einen Schaltungsentwurf mache, erspare ich mir das Einzeichnen der Stromversorgung, weil ich es eben weiß. Und diese Pläne gibt man dann in die Fertigung. Aber die Fertigung weiß nicht was sie damit anfangen soll. etc. etc....

aseptisch hat geschrieben: Sparzwänge führen wohl auch oft zu erbärmlicher Bedienung. .... Sein Chef: Wenn ein Taster 10 Cent kostet und 1 Million Geräte davon verkauft werden, hat man auch 100.000 Euro gespart.....
Beim "schönen Scheiß" sind wir bei den Designern. Letztlich haben sie oft das Sagen, denke ich.

Und diese Denkweise ist typisch für die ganzen Manager (und "Damager"), die um jeden Cent feilschen. Hauptsache der Rubel rollt, der Kunde ist dabei scheißegal. "Nach mir die Sintflut" ist deren Einstellung.
Im Pro-Bereich dagegen, gilt eine andere Denkweise: Eine Firma wie z.B. Rohde & Schwarz hat es gar nicht nötig, um jeden Cent zu feilschen. Dort gilt nicht das Diktat des Designers, sondern hier bestimmen die Belange des Kunden das Design.


aseptisch hat geschrieben:Und natürlich gibt es noch Geräte, bei denen derjenige, der die Bedienung gestaltet, die Funktionen, die bedient werden sollen, gar nicht verstanden hat. Auch in Zusammenhang mit Übersetzungen in andere Sprachen


Zu letzterem kann man wirklich haaresträubende Dinge lesen, vor allem dann, wenn die Übersetzung mit einem Computerprogramm vorgenommen wird, das wörtlich übersetzt...

aseptisch hat geschrieben:
Als Gründe, weshalb ich mit Geräten schlecht klarkomme oder man allgemein mit Geräten schlecht klarkommt...


Etwas geradzu paradoxes fällt mir dazu bei unseren Studenten immer wieder auf, und dies seit Jahren:
Die können alle wunderbar die Computer bedienen, egal welche Betriebssystem, egal welches Programm. Ich frage mich woher? Wer hat denen das gezeigt? Die haben doch nicht erst an der Hochschule gelernt mit dem PC umzugehen?! Und selbst Schüler in der Hauptschule können es.
Wenn ich denen aber bei ihren Loborübungen ein Gerät hinstelle dessen Bedienung offensichtlich ist, dann stellen die sich mitunter an wie eine Kuh zum Brötchen backen: Dann kommt immer wieder die Ausrede: "Ja ich kenn' ja das Gerät nicht....", "ja ich hab' ja so'n Gerät nicht daheim..." und viele andere ähnliche Sprüche. (Nebenbei finde ich überhaupt eine solche Entgegnung eine Frechheit! - ich habe niemals sowas zu meinen Dozenten gesagt. Allein schon vom Ehrgeiz her nicht.

Bei einem Versuch der zum Physiklabor gehörte - es ging dabei um die Bestimmung des Feldbetriebsübertragungsfaktors eines Mikrofons - habe ich denen bewußt keine Digitalvoltmeter hingestellt, sondern ein "Unigor 6E" zur Spannungsmessung, einen älteren Tongenerator von Rohde & Schwarz (Typbezeichnung weiß ich gerade nicht mehr) der noch in den bekannten grauen Stahlblechgehäusen behaust war und mit konventionellen Bedienknöpfen ausgestattet - Röhrengerät, Eine "Eichleitung" ebenfalls von R & S in 1-dB-Stufen einstellbar, sowei einen Bruel & Kjaer-Schallpegelmesser vom Typ "2209". Also alles Geräte, deren Frontplatten so übersichtlich und logisch sind, daß man dazu keine Bedienanleitung braucht, wenn man sich vor dem Versuch mal die Frontplattenbeschriftungen ansieht und die dazugehörigen Bedienelemente. Aber immer wieder: "Ich kenn' ja die Geräte nicht..., ich hab' ja sowas nicht daheim...!". Ich könnte da rasend werden und ich habe da auch schon manchen dieser Brüder stehenden Fußes aus dem Labor raus geschmissen. Selbst bei dem einfachen "Unigor 6E" suchen sie nach einer Bedienanleitung. (Nur ist es dann gewöhnlich so, daß nach dem Studieren der Bedienanleitung längst die Zeit um ist...)
Ich verstehe dies einfach nicht. Bei manchen habe ich den Eindruck, die können nur noch in Bits und Bytes denken und nur noch Touch-Screens streicheln, aber wenn sie mal zum Nachdenken gefordert sind, hakt es aus. Genausowenig wie sie in den Vorlesungen kaum noch in der Lage sind, richtig mit zu schreiben und erwarten, daß man das ganze VL-Script ins Netz stellt. Stichwort "Moodle"...


Grüße
RainerG
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon manjak » 06.09.2017, 21:59

Moyn Rainer,

ich streue hier jetzt auch noch mal etwas aus meiner perspektive ein. Das Problem liegt darin, dass man versucht immer mehr Funktionen auf immer weniger Tasten unterzubringen. Früher hatte man für jede Funktion eine Taste oder es gab einen Drehschalter, mit dem man die Auswahl vornehmen konnte. Bei der Vielfalt der Möglichkeiten die die Systeme heute bieten ist das allerdings nicht mehr möglich. Man muss sich ja nur mal die Menüs solcher Geräte anschauen und überlegen, wie man das per Tasten lösen würde. Die Systeme hätten dann so viele Knöpfe, dass da niemand mehr durchsteigen würde.

Besonders für meine Klientel ist es schlecht, dass vieles über ein Touchdisplay läuft. Damit kann man als blinder oft genug überhaupt nichts anfangen, sofern da nicht irgendwelche Pieptöne als Rückmeldung kommen. Beispiel Drucker oder besser Multifunktionsgeräte, z.B. von Brother. Da läuft inzwischen der überwiegende Teil der Funktionen über Tuch. Kann ich respektive meine Kunden schlichtweg vergessen.

Bei meiner Waschmaschine von Miele kann man immerhin eine Akustische Rückmeldung aktivieren und sich dann daran orientieren, zumal es dort einen hohen Ton für "geht" und eine tiefen Ton für "geht nicht" als Rückmeldung gibt. Das hilft!

Immerhin haben einige Anbieter, z.B. Panasonic, das Problem erkannt und einen Fernseher mit Sprachausgabefunktion entwickelt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn an so etwas generell machen würde, wäre der Aufwand dafür marginal und den im Schnitt 0,2% der Blinden und 0,7% der hochgradig sehbehinderten in unseren zivilisierten Gesellschaften wäre ziemlich gut geholfen.

dass es diese Probleme weniger bei dem Profi-Systemen gibt, liegt in der Tendenz wohl eher daran, dass man sich bei der Entwicklung mehr Gedanken zur Funktionalität und Steuerung macht. Diese Systeme sind oft auch länger am Markt verfügbar. Bei Konsumergeräten geht es oft darum viele neue Funktionen aufzugreifen und die Produktzyklen sind oft auch nur sehr kurz, da alle Nase lang eine neue technologische Sau durchs Enthusiastendorf getrieben wird. Entsprechend lieblos sind die Bedienungen und die Dokumentationen. Wie schon gesagt wurde: Hauptsache das teil sieht geil aus und hat eine Unmenge Funktionen, von denen man zwar nicht versteht wofür die sind, aber mit denen man herrlich angeben kann.

Aber auch im Softwarebereich ist das Thema Accessibility ein Problem. RME hat es tatsächlich geschafft eine Benutzeroberfläche zu entwickeln, mit der kein Screenreader irgendeine Information auslesen kann. Ich bin seit 25 Jahren in diesem Bereich tätig und habe sehr viele Arbeitsplätze für Sehgeschädigte angepasst, aber so etwas ist mir bisher nicht untergekommen. Immerhin war der Support so freundlich mir für die wichtigsten Anwendungsfälle hier Workspace einzustellen. Aber wenn es mal in einer konkreten Aufnahmesituation um ein besonderes Setting geht und etwas geändert werden muss, geht da ohne sehende Hilfe gar nichts. Vielleicht gibt es da bald eine Lösung von Drittanbietern.

Und das zweite große Problem sind die Handbücher. Die Lieblosigkeit mit der diese erstellt und / oder übersetzt werden, ist erschreckend. Vor kurzem hatte ich ein Spannungsproblem im Bordnetz eines meiner Autos. Natürlich kann man das vom großen freundlichen analysieren lassen. Aber sobald da ein V12 unter der Motorhaube brummt, wird für die Berechnung der Beträge die Apothekerkalkulation angewendet. Also habe ich ein einfaches Analysetool für Batterie und LiMa gekauft. Es gab ein Handbuch in Deutsch! Ich habe schon viel in Handbüchern gelesen aber das war wirklich unverwertbar. Also gleich von der CD die englische Fassung genommen und alles war gut. Ergebnis Batterie ist defekt und das Analysetool kann ich für meine anderen Autos auch verwerten. Auf meine Negativbewertung wegen der miserablen Übersetzung hat sich der Hersteller dann immerhin gemeldet und wollte wissen was da los ist.

Vor zwei Jahren haben wir den Vertrieb eines Koreanischen Herstellers übernommen. Die Handbücher, die man uns zur Verfügung gestellt hat, haben wir gleich ad acta gelegt und mit einer neuen Übersetzung angefangen. Das ist extrem mühselig. Fast 500 Seiten zu übersetzen und permanent das Gerät dabei stehen zu haben, um zu testen, ob das was beschrieben ist auch wirklich so funktioniert. Beispiel: Im englischen heißt es Modify und wir mit alt+m ausgelöst, im Deutschen steht dort Bearbeiten und wird mit Alt+b aktiviert.

Ich bekomme ständig Anfragen von Übersetzern rein, ob wir in diesem Bereich nicht Aufträge haben, also Dokumentationen zu übersetzen. Wenn man bei den Gesprächen ein wenig nachfragt, kommt man zu folgendem Schluß: Entweder machen die ordentliche Arbeit, dann kann man das kaum bezahlen oder das Ganze ist entsprechend günstig, aber hinterher leider kaum verwertbar. Wenn man sich dann nur am Preis orientiert und das günstigste Angebot nimmt, erhält man dazu die passende Qualität. Und in der Regel ist der ausländische Hersteller kaum in der Lage, zu beurteilen, wie der Output zu bewerten ist.

Im Übrigen gibt es bei amerikanischen Hotlines die gängige Abkürzung "RTFM", steht für "Read the fucking manual. Die meisten Menschen lesen das was dokumentiert ist so oder so nicht und wozu soll man sich dann bei der Übersetzung oder Erstellung der Bedienungsanleitung Mühe geben.

Viele Grüße
Manfred
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aseptisch
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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon aseptisch » 06.09.2017, 23:44

Dein kleines Lob zur Miele-Waschmaschine habe ich eben am Telefon an meinen Freund weitergegeben. Daraufhin hat er beigetragen, dass es zu der Waschmaschine WDA210, die nicht mehr im aktuellen Sortiment ist, eine Braille-Folie zum Aufkleben gab. Das entsprechende Gerät aus der aktuellen Generation, WDD030, hat hingegen überhaupt keine spezielle Unterstützung für Blinde, d.h. auch keine Folie nachrüstbar.

Aber im Moment ist in Berlin ja IFA, und da wurde die WDD130 vorgestellt, die voraussichtlich im Oktober auf den Markt kommen soll. Dieses Gerät hat einen Drehwahlknopf fürs Programm sowie mit Touch-Tasten bedienbar z. B. eine Skala für Schleudertouren und eine für Temperatur. Es ist bereits serienmäßig mit Braille ausgestattet und gibt je nach Wert der Skalen unterschiedlich hohe Töne von sich. Also wohl je heißer, desto höher der Ton, je kälter, desto tiefer. Hier ist auch der kleine thematische Brückenschlag zum Tonthemen-Forum. :mrgreen:

Ich hoffe, ich habe diese Features richtig beschrieben, da er mir das nur am Telefon geschildert hat und ich's nicht selber gesehen und gehört habe.

An die Modellbezeichnung werden hinten noch Buchstaben angehängt, die allerdings nur bedeuten, welcher Schlauch dran ist, also WPS für Water Proof System oder WPM mit Metall-Druckschlauch und sowas.

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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon manjak » 07.09.2017, 12:27

aseptisch hat geschrieben:Dein kleines Lob zur Miele-Waschmaschine habe ich eben am Telefon an meinen Freund weitergegeben. Daraufhin hat er beigetragen, dass es zu der Waschmaschine WDA210, die nicht mehr im aktuellen Sortiment ist, eine Braille-Folie zum Aufkleben gab. Das entsprechende Gerät aus der aktuellen Generation, WDD030, hat hingegen überhaupt keine spezielle Unterstützung für Blinde, d.h. auch keine Folie nachrüstbar.

Aber im Moment ist in Berlin ja IFA, und da wurde die WDD130 vorgestellt, die voraussichtlich im Oktober auf den Markt kommen soll. Dieses Gerät hat einen Drehwahlknopf fürs Programm sowie mit Touch-Tasten bedienbar z. B. eine Skala für Schleudertouren und eine für Temperatur. Es ist bereits serienmäßig mit Braille ausgestattet und gibt je nach Wert der Skalen unterschiedlich hohe Töne von sich. Also wohl je heißer, desto höher der Ton, je kälter, desto tiefer. Hier ist auch der kleine thematische Brückenschlag zum Tonthemen-Forum. :mrgreen:

Ich hoffe, ich habe diese Features richtig beschrieben, da er mir das nur am Telefon geschildert hat und ich's nicht selber gesehen und gehört habe.

An die Modellbezeichnung werden hinten noch Buchstaben angehängt, die allerdings nur bedeuten, welcher Schlauch dran ist, also WPS für Water Proof System oder WPM mit Metall-Druckschlauch und sowas.


Ja, ich weiß, dass die Maschine vorgestellt wurde. Ich kenne die Frau die bei Miele für das Projekt zuständig ist und die selbst blind ist. Mal schauen wie das anläuft und ob es da noch folgeprojekte gibt.

Das Problem mit dem Markt für Blinde ist ja, dass es immer nur kleine Stückzahlen sind um die es geht und für viele Unternehmen ist das dann einfach nicht interessant.

Oft kann man sich mit kleinen Tricks behelfen. z.B. hat Panasonic bei den Mikrowellen ein Touchfeld, wo die Tasten aber beim Drücken einen Piep von sich geben. Ich habe mir dann eine selbstklebende Kusntstofffolie gekauft, für das Bedienfeld zuschneiden lassen und an den Stellen wo die tasten sind, einen kleinen punkt gesetzt. Damit kann ich mich an den punkten orientieren und wenn ich dann draufdrücke wird die Funktion ausgelöst.

Sobald man aber Menüs hat, steht man im Regen.


VG Manfred
Viele Grüße
Manfred

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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon juppy » 07.09.2017, 16:42

manjak hat geschrieben:
aseptisch hat geschrieben:Sobald man aber Menüs hat, steht man im Regen.

Wäre es zu kompliziert, eine Sprachausgabe in die Menuesteuerung zu integrieren?

Ich muß gestehen, daß ich ohne Lesebrille auch nicht mehr lebensfähig bin; und
sicherlich wäre eine Sprachausgabe für manchen Nutzer ab 50 Jahren eine Erleich-
terung. Würde zumindest mir einige Zeit für die Suche nach der Brille sparen.
:opa:

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Re: Konsumergeräte für Masochisten - Profigeräte für Kinder?

Beitragvon manjak » 07.09.2017, 21:50

juppy hat geschrieben:
manjak hat geschrieben:
aseptisch hat geschrieben:Sobald man aber Menüs hat, steht man im Regen.

Wäre es zu kompliziert, eine Sprachausgabe in die Menuesteuerung zu integrieren?





Das kommt darauf an:

Der einfachste Weg ist, hinter den entsprechenden Menüpunkten den Eintrag als Audiodatei zu hinterlegen und diesen auszugeben, wenn man auf den menüpunkt kommt. Das kann heute jeder relativ einfach gestrickte Prozessor leisten. Schon 1982 hat sharp auf diesem Weg die erste Sprechende Uhr für blinde auf den Markt gebracht. Das Ding liegt hier immer noch in meinem Regal und funktioniert prinzipiell. Von Prozessorleistung konnte man bei diesen Geräten kaum sprechen. So etwas dürfte, zumindest bei Geräten mit geringem Leistungsumfang, simple zu verwirklichen sein. Einen kleinen Quäker für ein Parr Cent dazu und alles ist gut. Allerdings spielen bei vielen Systemen schon wenige Cent bei den kosten für den Wettbewerb eine nicht unwesentliche Rolle. Weshalb das kaum jemand machen wird.

Schwieriger wird das ganze aber, wenn ich nicht nur fest vorgegebenen Text wiedergeben will, sondern dabei flexibel sein möchte, also beliebigen Text vorlesen lassen muss. Dann sind wir faktisch im Bereich "Screenreader" mit entsprechende Sprachsynthesizern. Die Geräte, für die das allerdings notwendig ist, wie z.B. Fernseher, haben genug Prozessorleistung um das zu bewältigen. Der größere Aufwand ist hier, das ganze sinnvoll und effektiv zu gestalten und die Entwicklungskapazitäten dafür zu bekommen. Miele hat gut 2 Jahre an der neuen Waschmaschine für Blinde herumgedoktort.

Das generelle Problem ist, dass die Blinden als Gruppe viel zu klein sind, als das sich jemand damit befassen würde. Die Dimensionen in denen die Hersteller denken, sind ganz andere. Vor ca. 15 Jahren hat einer unserer Lieferanten einen Termin bei einem asiatischen Hersteller gehabt, weil man ein Prozessorboard für einen PDA benötigt hat. Im Gespräch meinte er dann, ja, für die erste Serie und die Entwicklung würde man so 500 Stück benötigen. darauf meinte der Vertreter des Herstellers, prima, also zunächst mal 500.000 Stück für den Anfang und dann 1 mio Stück pro Monat? Als der Entwickler dann noch einmal klarstellte, das man wirklich "500" meint und man von 2000 Geräten im Jahr redet, sind dem Gegenüber sämtliche Gesichtszüge entgleist. Immerhin hat sich der Hersteller dann gefasst und der Deal kam zustande, aber ich kenne genug Fälle, wo dann die Verhandlungen schneller vorbei waren als sie begonnen hatten.

juppy hat geschrieben:Ich muß gestehen, daß ich ohne Lesebrille auch nicht mehr lebensfähig bin; und
sicherlich wäre eine Sprachausgabe für manchen Nutzer ab 50 Jahren eine Erleich-
terung. Würde zumindest mir einige Zeit für die Suche nach der Brille sparen.
:opa:



Tja, das ist mein großer Vorteil, mein Sehrest wird sich nie verschlechtern und zudem habe ich noch das große Plus, dass ich hinten genauso gut sehe wie vorn. ;-)

Aber mal Spaß beiseite, ich kenne genügend Leute, die so eine Sprachunterstützung sehr gut fänden, wir dürfen ja nicht vergessen, dass es in Deutschland inzwischen 3%, also gut 2,5 Mio., funktionale Analphabeten gibt, die faktisch nicht wirklich lesen können. Diese Gruppe, plus gut 650.000 Menschen die entweder Blind oder hochgradig sehbehindert sind, machen einen potentiellen Kundenstamm von 3 Mio. Menschen aus, also 4 % der Konsumenten. Dazu kommen noch diejenigen, die einfach nur schlecht sehen und bei denen die ständige Jagd auf die Brille ein Problem ist, weil man die ja ohne Brille irgendwie nur schlecht sieht. ;-)

Das interessiert in den Konzernspitzen aber niemanden wirklich. Mich würde ja mal interessieren, wie gut sich der sprechende Fernseher von Panasonic verkauft. An die Zahlen wird man aber leider nicht dran kommen. Immerhin hat Panasonic hier schon einiges gemacht. Ich hatte seinerzeit auch einen sprechenden Anrufbeantworter und es gibt inzwischen auch einige Produkte, insbesondere Waagen, die sprechen, auch wenn es nicht unbedingt so toll ist, wenn diese Kiste das aktuelle Lebendgewicht durchs ganze Haus schreit. Ich bin da mal sehr auf die Entwicklung in der Zukunft gespannt.

VG Manfred
Viele Grüße
Manfred

Die meisten Blinden können sehen!


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